traumtauchen. Geschichten auf den Grund gehen

Für Bilder gibt es kein ABC. Um die Bedeutung von Bildern verstehen zu lernen, benötigen wir keinen Unterricht in Grammatik, Rechtschreibung, Logik oder Wortkunde. Wir benötigen nichts, was einer Schulfibel entspräche, keine Hausaufgaben und keine Voraussetzungen schaffende Ausbildung. (Neil Postman in: Das Verschwinden der Kindheit, 1982).

Der Film gilt im Vergleich zum Buch als das unmittelbarere und leichter verständliche Medium, der Zuschauer muss scheinbar nicht selbst tätig werden. Dagegen einzuwenden ist, dass auch ein normaler Viertklässler im Prinzip jedes Buch lesen, Musik als beruhigend oder ein Bild als schön empfinden kann. Dennoch wird einem erfahrenen Leser, einem Musikliebhaber oder einem Kunststudenten eine andere Qualität der Rezeption und der Auseinandersetzung mit der Kunst zuerkannt. Ebenso ist es beim Film! Es ist nicht beliebig, aus welcher Perspektive etwas aufgenommen wird. Die Motive und Schauspieler müssen ausgesucht und in Szene gesetzt werden, das Licht muss stimmig sein, Montage und Schnitt spielen eine wichtige Rolle. Auch die Filmmusik trägt einen großen Teil zur Wirkung bei. Und nicht zuletzt ist natürlich auch im Film die Sprache, etwa in Form von Dialogen, ein wichtiges Element.

Medienkompetenz hilft aber nicht nur bewusster zu genießen, sondern schützt auch vor Manipulationen und Missverständnissen. Die meisten Kinder verbringen (viel) Zeit vor dem Bildschirm. Oft ist da aber niemand, der ihre Fragen beantwortet („Sind die Schauspieler von Leichen wirklich tot?“) oder ihnen hilft zu verstehen, warum die Bilder in ihnen etwas bewirken - die Musik macht uns angespannt, die Kameraeinstellung lässt jemanden bedrohlich erscheinen, durch einen Schnitt wird unsere Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Detail gelenkt. Sie nehmen diese unverarbeiteten Gefühle dann mit in ihren Alltag und sind oft von ihnen regelrecht blockiert.

In einer von Medien so stark geprägten Gesellschaft ist ein reflektierter Umgang mit diesen sehr wichtig. Darüber hinaus lassen sich am Beispiel von Filmen aber außerdem die Probleme, Fragen und Werte aus dem Alltag der Kinder diskutieren, ohne dass sie selbst zum Gegenstand der Diskussionen werden. Dabei hat sich gezeigt, dass oft gerade die Kinder, die im Deutschunterricht nicht zu den besten gehören, hier viele Chancen zur Stärkung ihres Selbstbewusstseins haben: Der eine hat ein besonderes Ohr für die Musik, eine andere ein gutes Auge für außergewöhnliche Einstellungen, jemand anderes wusste von Anfang an, dass eine Figur böse war („die war ja schon so grell geschminkt!“).

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